Für alle Teilnehmer standen Workshops in den Bereichen Kamera, Ton und Storytelling offen.
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Ich ärgere mich oft, wenn ich keine Kamera dabei habe. Weil dann so viele Sachen passieren, die man eigentlich unbedingt filmen müsste. Ich ärgere mich auch oft, wenn ich eine Kamera dabei habe. Weil dann die Sachen, die man unbedingt filmen wollte, als man keine Kamera dabei hatte, urplötzlich langweilig und unbedeutend wirken. Dann filme ich nicht, schleppe aber das Ding mit mir herum.
Manchmal aber erlebe ich Momente unbeschreiblicher Poesie, wenn einfache Bürger scheinbar alltägliche Dialoge mit simplen Stilmitteln zur Ikone eines ganzen Genres erheben. Zum Beispiel das Bäckergespräch, wie ich neulich eines beobachtet habe, trotzdem aber in der ich-Perspektive darüber schreibe, um mit einem billigen Trick Authenzität und Nähe zu vermitteln. Dabei handelt es sich um eine extrem kurze, zielorientierte Dialogform, deren Taktgeber das immer wiederkehrende „sonst noch etwas?“ ist. Der Kunde kommt früh, hat den Tag vor sich und vor allem – keine Zeit. Zwischen ihm und dem schnellen Genuss einer krossen Schrippe steht jedoch das Bäckereifachvokabular. Im Grunde wäre es kein Problem sich Begriffe wie „Sovitalbrot“ und „Fitnessbrötchen“ anzueignen – wenn sie nur nicht so lächerlich wären. Um die Lächerlichkeit in Grenzen zu halten, bediene ich mich der Füllwörter „So ein“, so dass ich dann zum Beispiel „So ein Roggenbrötchen“ bestelle. Auf meine verlegene Bitte folgt dann die Frage „Das Korn-Röggeli oder ein Vita-Cross?“. Woher sollte ich denn wissen, dass auch im Vita-Cross ein 20-prozentiger Roggenanteil ist, zusammen mit 50 Prozent Dinkel-Urkorn und 30 Prozent Weizen aus der Uckermark.
Der kommunikative Super-GAU ist eingetreten und ich bemühe mich um eine schnelle Exit-Strategie.
„Ach, geben Sie mir einfach so ein normales Brötchen.“
„Darf’s eine Schrippe, ein Schusterjunge oder ein Baguette-Brötchen sein?“
Anfängerfehler – in Berlin sagt man Schrippe. Ich bin in Hannover aufgewachsen und wohne jetzt in Potsdam. Richtig problematisch ist das nur in seltenen Momenten. Wie ausgerechnet jetzt beim Bäcker. In meiner Jugend hatte ich jedenfalls nie Probleme, ein „Normales“ zu bestellen. Allerdings musste man dann meist entscheiden, ob mein ein „Rundes“ oder ein „Langes“ haben möchte. Beide Brötchenformen schmecken völlig gleich, die Runden gibt es wahrscheinlich nur, weil die Wurstscheiben besser drauf passen. Ich muss hier raus.
„So ne Schrippe.“
„Sonst noch etwas?“
Jedes Bäckergespräch lässt sich an dieser Stelle unterbrechen, es sei denn, man versteht „Sonst noch etwas?“ tatsächlich als Frage und fängt an nachzudenken. Das könnte als Schwäche ausgelegt werden und zu unerwünschten Empfehlungen führen.
„Vielleicht möchten Sie noch unser neues Störtebäcker-Doppelkorn probieren? Mit Karottenstückchen!“
Nein, möchte ich nicht. Aber irgendwie Danke für die freundliche Nachfrage.
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Haha, da fällt mir ein: ich war vor ein paar Monaten in einer mir fremden Kneipe am Hackeschen Markt und hinter dem Tresen muss wohl ein Bäcker gestanden haben. Die Bestellung ein großes Bier wurde mit der Gegenfrage „Wat für eins“ gekontert. Da ich keine Ahnung hatte welche Marke denn der Laden führt (als wir reingingen, schmiss die Polizei grade 4 Leute raus und innen hing auch kein Brauereischild) oder, was man in Berlin so trinkt (Beck’s ja nicht, oder?), sagte ich „ein großes Pils“ – worauf mich der Bäcker über seine 14 Biermarken, großer und kleiner Abfüllmenge, heller und dunkler Art aufklärte.
Amüsant!
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